Diethylpropion (90-84-6) Physikalische und Chemische Eigenschaften
Diethylpropion
Ein kleines aromatisches Ketonsympathomimetikum, das historisch als Anorektikum eingesetzt wurde; typischerweise für Formulierungsentwicklung, analytische Referenzstandards und F&E unter kontrollierter Beschaffung bezogen.
| CAS-Nummer | 90-84-6 |
| Familie | Sympathomimetische Amine |
| Typische Form | Pulver oder kristalliner Feststoff |
| Gängige Qualitäten | EP, JP, USP |
Diethylpropion ist ein tertiäres aromatisches Aminoketon, das zur Propiophenon-Strukturklasse gehört; systematisch lautet die Bezeichnung 2-(Diethylamino)-1-phenylpropan-1-on. Das Molekül enthält einen Phenylring, der konjugiert an eine Carbonylgruppe (Propiophenon-Grundgerüst) gebunden ist, mit einem Diethylaminsubstituenten am α-Kohlenstoff. Diese Anordnung erzeugt ein lipophiles aromatisches Ketongerüst mit einer einzelnen basischen tertiären Amin-Stelle, die protoniert werden kann, um ein wasserlösliches Ammoniumsalz (der klinisch verwendete Hydrochlorid) zu bilden. Die relativ geringe topologische polare Oberfläche (\(20.3\)) und das Fehlen von Wasserstoffbrückendonoren (H‑Brücken-Donorenzahl \(0\)) fördern die Membranpermeabilität der neutralen freien Base, während die Protonierung die Wasserlöslichkeit und renale Ausscheidung der Salzform deutlich erhöht.
Elektronisch ist die Carbonylgruppe mit dem aromatischen Ring konjugiert, weshalb das Keton die übliche Anfälligkeit für nucleophile Reduktion zeigt und am α-Kohlenstoff eine Enolisierungs-ähnliche Chemie eingehen kann; jedoch verändert der Diethylaminsubstituent die sterischen und elektronischen Eigenschaften im Vergleich zu einfachem Propiophenon. Das Säure-Base-Verhalten wird durch das tertiäre Amin dominiert: Die Verbindung hat einen geschätzten \(\mathrm{p}K_a\)-Wert im basischen Bereich (nahe dem physiologischen pH), was bedeutet, dass freie Base und protonierte Form je nach pH und Formulierung koexistieren. Lipophilie-Werte ordnen die freie Base in eine mäßig lipophile Klasse ein (logP ≈ 2.8), was mit guter oraler Resorption der neutralen Spezies und effizienter Penetration ins zentrale Nervensystem bei nicht protonierter Form übereinstimmt.
Pharmakologisch ist Diethylpropion ein indirektes sympathomimetisches Stimulans, das als kurzzeitiges Anorektikum eingesetzt wird; seine klinische Wirksamkeit beruht auf der Stimulation der Katecholamin-Freisetzung und der daraus resultierenden Appetithemmung. Das Hydrochloridsalz ist die akzeptierte pharmazeutische Form, die in unmittelbarer und verlängerter Freisetzung als orale Tabletten verwendet wird. Übliche kommerzielle Qualitäten dieses Stoffes umfassen: EP, JP, USP.
Grundlegende physikalisch-chemische Eigenschaften
Dichte und Feststoffform
Physikalische Beschreibung: Feststoff. Das Material wird in seinen gängigen Salz-/Formulierungsformen als weiße oder cremeweiße kleine Kristalle oder kristallines Pulver beschrieben. Die freie Base wird typischerweise als kristalliner Feststoff oder Öl isoliert, abhängig von der Reinigung; das Hydrochlorid liegt als kristallines Salz vor, das hygroskopisch ist.
Schmelzpunkt
Schmelzpunkt: 168.
Kristallines Hydrochloridmaterial zersetzt sich bei etwa \(168\,^\circ\mathrm{C}\) (Zersetzung). Wenn ein einzelner numerischer Schmelzpunkt für eine bestimmte Form (freie Base vs. Hydrochlorid) benötigt wird, muss die spezifische Salzform bestätigt werden, da sich das Zersetzungs- und Schmelzverhalten zwischen freier Base und Salz unterscheidet.
Löslichkeit und Dissoziationsverhalten
Wasserlöslichkeitsdaten werden in zwei Formaten angegeben: ein gemessener Wert von 1.22e+00 g/L sowie qualitative Löslichkeitsaussagen für die Hydrochloridform. Für Diethylpropion-Hydrochlorid geben typische Löslichkeitsangaben an: „1 g Lösung in: ca. 0,6 mL Wasser, ca. 0,6 mL Chloroform, 1 mL absolutem Methanol, 1 mL Alkohol; praktisch unlöslich in Ether.“ Diese Daten zeigen, dass das protonierte Hydrochloridsalz eine deutlich höhere Wasserlöslichkeit besitzt als die freie Base. In der Praxis bestimmt die Formulierungswahl (freie Base vs. Hydrochlorid; sofort- vs. verlängerter Freisetzung) die Lösungs- und Freisetzungskinetik: Salze und Matrixsysteme für verlängerte Freisetzung werden verwendet, um Freisetzungsrate und -umfang für die orale Gabe zu steuern.
Chemische Eigenschaften
Säure-Base-Verhalten und qualitative pKa
Diethylpropion ist ein tertiäres Amin; ein geschätzter \(\mathrm{p}K_a\) von 8.2 für die basische Stelle wird berichtet. Bei physiologischem pH (\(\sim7.4\)) ist ein wesentlicher Anteil protoniert, und bei niedrigerem pH (Magen) dominiert die protonierte Form. Die Protonierung erhöht die Wasserlöslichkeit und verringert die Membranpermeabilität im Vergleich zur neutralen freien Base; diese pH-abhängige Ionisierung erklärt die Verwendung von Hydrochloridsalzen in oralen Darreichungsformen und das renale Ausscheidungsverhalten sowie die säureabhängige Urinausscheidung.
Reaktivität und Stabilität
Die Verbindung ist unter trockener Luft chemisch stabil; Diethylpropion-Hydrochlorid wird als stabil in trockener Luft aber hygroskopisch beschrieben. Die aromatische Ketongruppe ist chemisch reaktionsfähig gegenüber Reduktion (Keton → Alkohol) und N‑Dealkylierung ist ein wichtiger metabolischer Weg in biologischen Systemen. Eine hydrolytische Spaltung unter neutralen Umweltbedingungen wird nicht erwartet, da das Molekül keine hydrolyseempfindlichen Gruppen außer dem Keton enthält (das unter Umgebungslösungsbedingungen nicht schnell hydrolysiert). Die thermische Zersetzung des Hydrochloridsalzes setzt sehr giftige Dämpfe frei, einschließlich Chlorwasserstoff und Stickstoffoxide; während der Verarbeitung und Abfallbehandlung sind geeignete thermische Schutzmaßnahmen erforderlich.
Molekulare Parameter
Molekulargewicht und Formel
Molekularformel: C13H19NO
Molekulargewicht: 205.30 \(\mathrm{g}\,\mathrm{mol}^{-1}\)
LogP und Strukturmerkmale
LogP (XLogP3‑AA): 2.8.
Die berechneten/topologischen Deskriptoren weisen auf mäßige Lipophilie (XLogP 2.8) in Kombination mit einer niedrigen TPSA (20.3), null H‑Brücken-Donoren und zwei H‑Brücken-Akzeptoren hin. Strukturell trägt der Phenyl–Carbonyl-Kern zur Lipophilie und π‑Konjugation bei, während der tertiäre Diethylamin-Substituent ein einzelnes basisches Zentrum bereitstellt. Diese Eigenschaftskombination ergibt ein Molekül, das als freie Base (oder Salz) oral bioverfügbar und in der Lage ist, Lipidmembranen zu passieren, wobei der Protonierungszustand die Wasserlöslichkeit und Verteilung stark moduliert.
Strukturelle Identifikatoren (SMILES, InChI)
SMILES: CCN(CC)C(C)C(=O)C1=CC=CC=C1
InChI: InChI=1S/C13H19NO/c1-4-14(5-2)11(3)13(15)12-9-7-6-8-10-12/h6-11H,4-5H2,1-3H3
InChIKey: XXEPPPIWZFICOJ-UHFFFAOYSA-N
Identifikatoren und Synonyme
Registernummern und Codes
CAS-Nummer: 90-84-6
EG-Nummer: 202-019-1
UNII: Q94YYU22B8
ChEBI: CHEBI:4530
ChEMBL: CHEMBL1194666
DEA-Codenummer (kontrollierte Substanz): 1610 (Schedule IV)
DrugBank: DB00937
Synonyme und markenunabhängige Bezeichnungen
Gängige Synonyme, die in Registern erscheinen, umfassen: Diethylpropion; Amfepramone; 2‑Diethylaminopropiophenon; Amfepramon; Phepranon; 2‑(Diethylamino)-1-phenylpropan-1-on. Mehrere historische und regionale Namen (einschließlich verschiedener Handels-/Markennamen und alternativer Salzbeschreibungen) existieren sowohl für die freie Base als auch für das Hydrochloridsalz; für eine eindeutige Identifikation in der Herstellung und Qualitätsdokumentation verwenden Sie den systematischen IUPAC-Namen 2-(diethylamino)-1-phenylpropan-1-on.
Industrielle und pharmazeutische Anwendungen
Rolle als Wirkstoff oder Zwischenprodukt
Diethylpropion wird pharmakologisch als zentral wirkendes Appetitzügler (Anorektikum) zur kurzfristigen Behandlung exogener Adipositas als Ergänzung zu kalorischer Restriktion, Bewegung und Verhaltensänderung eingesetzt. Das Hydrochloridsalz ist der vermarktete aktive pharmazeutische Wirkstoff (API) in Tabletten mit sofortiger und verlängerter Wirkstofffreisetzung. Es handelt sich um eine kontrollierte Substanz (Schedule IV) in Rechtsgebieten, die sympathomimetische Stimulanzien regulieren.
Formulierungs- und Entwicklungskontexte
Typische pharmazeutische Darreichungsformen umfassen Tabletten mit sofortiger Freisetzung (z. B. 25 mg) und Tabletten mit kontrollierter/verzögerter Freisetzung (z. B. 75 mg) des Hydrochlorids. Das Hydrochloridsalz wird für orale Formulierungen bevorzugt aufgrund der verbesserten wässrigen Löslichkeit und besseren Verarbeitungseigenschaften; die Herstellung erfolgt üblicherweise durch Bildung der Base gefolgt von der Umwandlung in das Hydrochloridsalz. Produkte mit verlängerter Wirkstofffreisetzung verwenden Harz- oder Matrixstrategien, um die Freisetzung über 12 Stunden zu steuern, während Tabletten mit sofortiger Freisetzung therapeutische Spiegel für etwa 4 Stunden liefern.
Spezifikationen und Reinheitsgrade
Typische Reinheitsgrade (pharmazeutisch, analytisch, technisch)
In der industriellen und Qualitätskontrollpraxis wird Diethylpropion als pharmazeutischer Wirkstoff (pharmakopöische Reinheitsgrade), analytische Referenzstandards oder technische/industrielle Reinheitsgrade für Forschungs- und nichtklinische Anwendungen geliefert und qualifiziert. Pharmakopöische Reinheitsgrade (EP, JP, USP) kennzeichnen die Einhaltung der entsprechenden Monographenanforderungen, soweit vorhanden; analytische Standards dienen zur Wirkstoffbestimmung, Verunreinigungsprofilierung und Stabilitätstests.
Allgemeine Qualitätsmerkmale (qualitative Beschreibung)
Wichtige Qualitätsmerkmale für den Wirkstoff und formulierte Produkte umfassen Identität (spektrale und chromatographische Bestätigung), Gehalt (Bioäquivalenz der aktiven freien Base ausgedrückt als Diethylpropion oder als Hydrochloridsalz), Restlösemittel, Wassergehalt (das Hydrochlorid ist hygroskopisch), polymorphe Form/Kristallinität sowie Verunreinigungsprofil einschließlich Abbauprodukte und verwandte Substanzen (z. B. N-Dealkylierungsprodukte, Oxidations-/Reduktionsverunreinigungen). Stabilitätsspezifikationen berücksichtigen Feuchtigkeitsempfindlichkeit des Hydrochloridsalzes und thermische Zersetzungsrisiken während der Verarbeitung.
Gängige kommerzielle Reinheitsgrade für diesen Stoff umfassen: EP, JP, USP.
Sicherheits- und Handhabungsübersicht
Toxikologisches Profil und Expositionsüberlegungen
Diethylpropion ist ein zentral wirkendes sympathomimetisches Stimulans mit Risiken und Toxikologie, die für Amphetamin-ähnliche Wirkstoffe charakteristisch sind. Akute und chronische Nebenwirkungen umfassen Stimulation des zentralen Nervensystems (Unruhe, Agitiertheit, Schlaflosigkeit, Tremor, Krampfanfälle), kardiovaskuläre Effekte (Tachykardie, Hypertonie, Arrhythmien, potenzielle Myokardischämie), psychiatrische Störungen (Agitiertheit, Psychosen bei chronischem Missbrauch) sowie weitere systemische Effekte (Hyperthermie, Rhabdomyolyse, Nierenkomplikationen). Gemeldete akute orale LD50-Werte betragen \(600\,\mathrm{mg}\,\mathrm{kg}^{-1}\) (Maus), \(50\,\mathrm{mg}\,\mathrm{kg}^{-1}\) (Ratte) und \(225\,\mathrm{mg}\,\mathrm{kg}^{-1}\) (Hund). Der Wirkstoff und seine Metaboliten werden primär renal ausgeschieden; die Halbwertszeiten aktiver Aminoketon-Metaboliten liegen im Bereich von 4–6 Stunden, wobei die Wirkungsdauer von der Formulierung abhängt (sofortige Freisetzung ≈ 4 Stunden; verlängerter Wirkstofffreisetzung ≈ 12 Stunden).
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen umfassen bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen, schwere Hypertonie, Hyperthyreose, Glaukom, Vorgeschichte von Drogenmissbrauch sowie gleichzeitige oder kürzliche Monoaminoxidasehemmer-Therapie (gleichzeitige Anwendung kontraindiziert). Diethylpropion und seine Metaboliten gelangen in die Muttermilch und passieren die Plazenta; Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit erfordert Vorsicht.
Lagerungs- und Handhabungshinweise
Diethylpropionhydrochlorid ist hygroskopisch und sollte vor Feuchtigkeit geschützt werden. Kommerzielle Tabletten und Bulk-Salz sind in dichten Behältern bei kontrollierten Umgebungstemperaturen, vorzugsweise unter \(30\,^\circ\mathrm{C}\), zu lagern. Die freie Base und Prozesszwischenprodukte sollten unter Vermeidung von Einatmen und Hautkontakt gehandhabt werden; technische Schutzmaßnahmen (lokale Absaugung, geschlossene Transfersysteme), geeignete PSA (Handschuhe, Augenschutz, Laborkittel) und Staubunterdrückung werden in der Herstellung und Qualitätskontrolle empfohlen. Thermische Verarbeitung sollte Temperaturen vermeiden, die Zersetzung verursachen; Zersetzung des Hydrochlorids setzt Chlorwasserstoff und Stickstoffoxide frei, weshalb thermische Behandlungen mit geeigneter Abgasführung durchgeführt werden sollten.
Für detaillierte Gefahren-, Transport- und regulatorische Informationen wird empfohlen, das produktspezifische Sicherheitsdatenblatt (SDS) sowie einschlägige lokale Vorschriften zu konsultieren.